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Eichenschälen Vor Leubach

Mitglieder des Schwarzwaldvereinbezirks "Kinzigtal" waren seit geraumer Zeit dabei, einen staatseigenen Hang oberhalb der Kinzig im Bereich "Vor Leubach" auf Gemarkung Wolfach-Kinzigtal im Einvernehmen mit der Landesforstverwaltung und den Schiltacher Flößern für ein Schau-Rüttibrennen vorzubereiten, das hier am 22. Juni stattfinden wird. Und dazu gehörte jetzt gegen Ende der Vorbereitungen und gerade zur rechten Vegetationszeit das überlieferte Eichenschälen.

Am Samstag bei herrlichem Sonnenwetter machte sich ein Helferteam an die Arbeit. Die Leitung hatte Bezirksnaturschutzwart Gerhard Blum aus Gutach und mit dabei war auch der Naturschutzwart der Wolfacher Schwarzwaldvereinsortsgruppe, Siegfried Brückner, sowie Matthias Decker, der neun Jahre im Dienst des Einbacher Hermeshofes stand und dabei selbst das Eichenschälen gelernt und praktiziert hatte. Decker erläuterte das Eichenschälen vor Ort und erzählte als Zeitzeuge, wie einst nach dem Rütti-Brennen und dem obligatorischen Eichenschälen das steile Gelände mit Winterroggen besät und dann im darauffolgenden Jahr nach der Roggenernte je nach Bodenqualität ein- oder zweimal mit Kartoffeln bepflanzt wurde.

Anschließend blieb der Hang als Brache liegen oder wurde als Viehweide genutzt. Es bildete sich durch Stockausschlag neuer Niederwald und nach rund zwanzig Jahren war dann erneut das Rüttibrennen mit der Wiederholung der erwähnten Bewirtschaftung angesagt. Schwer war die Arbeit, aber sie wurde auf sich genommen, um zur erforderlichen Eigenversorgung genügend Nahrungsmittel zu erwirtschaften.
Die "Eichenschäler" um Gerhard Blum gingen mit den historischen Werkzeugen an die anstrengende Arbeit. Sie verwendeten den "Wellenhauer" oder das "Säsle" zum Zuschneiden und Abhauen, beklopften Stämme und Äste der Eichen und lösten die Eichenrinde mit dem so genannten Rindenlöffel von Stamm und Ast. Einst wurde die Rinde an die Gerbereien geliefert und spielte einen wichtigen Existenzfaktor für die Schwarzwaldhöfe. Der Gerbstoff der Rinde war damals unentbehrlich für das Gerben von Tierhäuten, und noch heute ist Rinde zur Herstellung spezieller Leder begehrt. Früher wurde oft auch Fichtenrinde verwendet.

Das Eichenschälen wird in einer Ausstellung in der Lehengerichter Gemeindehalle dokumentiert, ebenfalls am 22. Juni.

Männer beim Eichenschälen
Das Eichenschälen. Von links: Siegfried Brückner, Gerhard Blum, Fabian Blum und Matthias Decker
Text und Foto: Rombach


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