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Stadtnachricht

Vortrag "Die Karlins" war ein großer Erfolg


„Die Karlins – Leben und Werk der Schiltacher Linie von 1851 bis heute“
Vortrag von Peter Brand im Schlossbergsaal des Gottlob-Freithaler-Hauses

Die Firma Karlin am Hohenstein


Im November hatte der Historische Verein zusammen mit der Volkshochschule zur dritten Gemeinschaftsveranstaltung des laufenden Jahres eingeladen. Der gebürtige Schiltacher Peter Brand, selbst Spross der Fabrikantenfamilie Karlin und aktives Mitglied im Historischen Verein, war gerne bereit, die Geschichte des Schiltacher Zweiges der Karlin-Familie von der Mitte des 19. Jahrhunderts an aufzuzeigen. Über 80 Personen interessierten sich für seine Ausführungen – und wurden vom Referenten mit einer beeindruckenden Text- und Bildpräsentation belohnt.

„Der Name Karlin gehört zu Schiltach“. Mit diesen Worten begrüßte Peter Rottenburger als Sprecher des Initiativkreises den Referenten, dessen Familie und die Zuhörer. Er erinnerte an das Jahr 1969, das ihn als Kandidat für das Bürgermeisteramt nach Schiltach brachte. Die erst ein Jahr zurückliegende Schließung der Tuchfabrik Karlin war noch allgegenwärtig und manche Schiltacher Familie blickte noch in eine ungewisse Zukunft. Später, bei den Besuchen von Altersjubilaren bekam der Bürgermeister immer wieder und nicht ohne Stolz zu hören „ich han beim Karlin g’schafft ...“ was eine überaus starke Verbundenheit zwischen den Beschäftigten und „ihrer Firma“ ausdrückte. Die Geschichte der Familie Karlin ist im wahrsten Sinn des Wortes mit Schiltach und Lehengericht auf Engste „verwoben“. Rottenburger dankte Brand, der heute bei München lebt, für seine Bereitschaft, den Zuhörern einen einzigartigen und ehrlichen Blick in die Familienhistorie zu ermöglichen.

Peter Brand nahm nun das Publikum mit auf eine Zeitreise, die mit seinem Urgroßvater Gustav Karlin begann und über dessen Sohn Fritz und dessen Enkelin Roswita (verheiratete Brand, später Just) schließlich zu ihm selbst führte und die Lebenswege dieser Personen einfühlsam herausarbeitete.

Gustav Karlin, 1851 in Tüllingen bei Lörrach geboren, legte nach ersten Anstellungen in der Textilindustrie zusammen mit Wilhelm Schultheiß 1880 auf dem Areal der Schlossmühle den Grundstein zu der später bedeutenden Tuch- und Lodenfabrik Karlin. 1887 wurde die ehemalige Nähfadenfabrik am Hohenstein erworben, allerdings trennten sich die Wege der beiden Gesellschafter bereits kurze Zeit später. Nach dem Tode von Schultheiß übernahm Gustav Karlin beide Standorte. 1903, erst 52jährig, verstirbt auch Karlin, dessen unternehmerisches Erbe nach einer Übergangszeit von seinen Söhnen Fritz und Carl angetreten wurde. Schon bald zeigten sie ein bedeutendes soziales Engagement und führten als eines der ersten Unternehmen im weiten Umkreis die Betriebsrente ein und gründeten eine eigene Betriebskrankenkasse. Privat erwarben die beiden bedeutende Waldungen im Reichenbächle und in Kaltbrunn, die noch heute im Familienbesitz sind. 1909 heiratete Fritz Karlin Clara Fröhlich aus Stuttgart, dieser Ehe entstammte die Tochter Roswita, die sich 1938 mit dem Arzt Dr. Klaus Brand vermählte und fünf Kindern, darunter dem Referenten des Abends, das Leben schenkte.

Klaus Brand trat als Direktor in die stetig wachsende Tuchfabrik ein. Nach 1933 „passte man sich den neuen Gegebenheiten an“ und Brand verschwieg nicht, dass während des Krieges die Produktion durch den Einsatz von Zwangsarbeitern aufrecht erhalten wurde. Auch Aufträge der Wehrmacht trugen zum Erfolg des Unternehmens bei. Durch unternehmerisches Geschick konnten die schwierigen Nachkriegsjahre gemeistert werden. 1953 wurde die Ehe von Roswita Brand geschieden, was das Ausscheiden von Klaus Brand aus der Geschäftsleitung nach sich zog. Neben einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die heimische  Textilindustrie traten in den 1950er Jahren auch personelle und persönliche Probleme innerhalb der Eigentümerfamilie zutage, die schließlich eine erfolgreiche Unternehmensführung unmöglich machten. 1968, im 88. Jahr ihres Bestehens, kam für die weit über Deutschland hinaus bekannte Tuchfabrik Karlin das endgültige Aus.

Seine spannenden Ausführungen verdeutlichte Brand durch Stammbäume, alte Postkarten mit  frühen Firmenansichten, Gemälden, Fotografien und privaten Filmsequenzen. Breiten Raum räumte der Referent dem gesellschaftlichen und familiären Leben seiner Vorfahren ein. Er ließ die Zuhörer über einen Zeitraum von vier Generationen hinweg an Freud und Leid der Familie teilhaben. Persönliche Anmerkungen zum Ende der Tuchfabrik und zur heutigen Bewirtschaftung des Waldes im „Reichenbächle“ bildeten den Abschluss seines detaillierten  Vortrages.

Eine ausführliche Dokumentation der Familiengeschichte, die außerdem seltenes Bildmaterial präsentiert, können Sie unter www.geschichte-schiltach.de nachlesen.

Text: Reinhard Mahn, Historischer Verein
Repro: Peter Brand




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