Stadtnachricht

Bericht aus der Gemeinderatssitzung vom 2. März 2011


1. Kurzbericht über das Ergebnis der letzten öffentlichen und nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung

Bei diesem Tagesordnungspunkt gab Bürgermeister Thomas Haas bekannt, was in der letzten öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzung beraten und beschlossen wurde und was sich seither getan hat.

2. Bausachen

Zu diesem Tagesordnungspunkt lagen keine Beratungsgegenstände vor.

3. Örtliche Bauvorschriften

Zu diesem Tagesordndungpunkt begrüßte Bürgermeister Thomas Haas den städtischen Baurechtssachbearbeiter Achim Hoffmann und Herr Dr. Erik Roth vom Referat Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Freiburg. Beide waren in die Sitzung eingeladen worden, um mit dem Gemeinderat darüber zu diskutieren, ob die örtlichen Bauvorschriften für den denkmalgeschützten Altstadtbereich noch zeitgemäß sind oder einer Anpassung bedürfen.

In einer anschaulichen Powerpoint-Präsentation ging Achim Hoffmann auf die Bedeutung einer solchen Gestaltungssatzung ein, die ein wichtiges Regulierungsinstrument darstellt und die im Denkmalschutzgesetz gesetzten Ziele konkretisieren soll.

Ein einmaliges Fachwerkensemble: Die Schiltacher Altstadt

Einmalig in seiner Art: Die Schiltacher Altstadt von oben gesehen


Die Schiltacher Altstadt hat noch vor 50 Jahren ein völlig anderes Gesicht gehabt und nur durch gezielte Steuerung mit Hilfe der städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen und der Durchsetzung der denkmalschutzrechtlichen Belange ist sie zu dem geworden, wofür sie heute landauf/landab bekannt ist: Ein ganz  besonderes Juwel für die Denkmalschützer. Dr. Roth betonte, dass Schiltach zu der Auswahl von Altstädten gehört, die ganz besondere Bedingungen erfüllen. Nirgendwo sonst im Regierungsbezirk Freiburg könne man einen solch geschlossenen Fachwerkbestand vorweisen, nicht einmal in Haslach oder Gengenbach. Gegenüber den anderen Städten sei auch die Giebelständigkeit der Gebäude ein besonderes Herausstellungsmerkmal. „Wir alle haben die Verpflichtung zur Erhaltung und zur Pflege dieses einzigartigen Ensembles“, appellierte der Fachmann an die Gemeinderatsmitglieder, die Gestaltungsvorgaben nicht aufzuweichen.

Bürgermeister Thomas Haas erinnerte in diesem Zusammenhang an die Bedeutung des Stadtbildes für den Tagestourismus, der immer mehr zunehme und eine immens wichtige Funktion für die gesamte Infrastruktur habe, weil es viele Gaststätten und Geschäfte ohne die Besucher von auswärts nicht mehr gäbe.

Die Örtlichen Bauvorschriften für den denkmalgeschützten Altstadtbereich wurden zuletzt im Jahr 1998 überarbeitet, wobei schon damals sehr vorausschauend über Punkte wie Satteliten- und Solaranlagen nachgedacht worden ist. In vielen anderen Altstädten seien diese Punkte erst in den letzten Jahren in die Gestaltungsvorschriften aufgenommen worden. Dr. Roth hob in diesem Zusammenhang hervor, dass man sich in Schiltach glücklich schätzen könne, innerhalb der Stadtverwaltung über einen kompetenten Ansprechpartner für Fragen des Denkmalschutzes zu verfügen. Dies sei nicht überall so, was die Zusammenarbeit zwischen Denkmalschutzbehörden und Bauherren nicht gerade erleichtere.

Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat betonte Dr. Roth, dass man in Schiltach schon immer das Ziel verfolgt habe, die Altstadt mit Leben zu erfüllen und sie nicht zu einem überdimensionierten Museum werden zu lassen. Die Denkmalpflege sehe ihre Aufgabe darin, bei diesem Prozess beratend tätig zu sein und ein Augenmerk auf die schützenswerten Belange zu richten, ohne die anderen Gesichtspunkte aus den Augen zu verlieren. „Ziel ist es, ein Kulturdenkmal insgesamt zu erhalten, auch wenn im Einzelfall zur Vermeidung eines Zielkonfliktes einmal ein einzelnes Detail in der Abwägung zurückstehen muss“, versicherte er.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Zulassung von Solaranlagen in der Altstadt, was bisher nur in Ausnahmefällen und wenn sie vom öffentlichen Straßenraum aus nicht sichtbar sind möglich ist. Hierzu verwies der Denkmalprofi auf die Schiltacher Topografie, weshalb die einmalige Dachlandschaft von vielen Punkten aus von oben eingesehen werden kann. Insgesamt sei auch zu überlegen, dass die Zahl der denkmalgeschützten Häuser in unserem Land, die sich für eine Solarnutzung eignen, verschwindend gering ist. „Von der Ökobilanz her sollte man diesem Punkt daher nicht zu viel Gewicht geben und die Denkmalschutzbelange höher bewerten“. Auch seien sehr viele Dächer in Schiltachs Altstadt ohnehin falsch ausgerichtet und zu steil für eine Solarnutzung.

Demgegenüber könne man sich problemlos bei anderen Solarprojekten einkaufen, wenn man etwas für die Umwelt tun möchte. Selbst an den Fachwerkgebäuden sind trotz der geschützten Fassaden Dämmungsmöglichkeiten in den  Dächern oder durch gute Fenster möglich.

Insgesamt gesehen kam man schließlich zu dem Fazit, dass die Schiltacher Bauvorschriften nach wie vor zeitgemäß sind und man mit den Denkmalschützern  jeweils im Einzelfall auch einmal über Ausnahmen diskutieren könne. „Bei genauer Abwägung der jeweiligen Belange sind häufig Kompromisse möglich, die sowohl dem Bauherren, als auch dem Denkmalschutz gerecht werden“, verwies Dr. Roth auch auf zahlreiche Maßnahmen in Schiltach, die in der Vergangenheit bereits erfolgreich durchgeführt werden konnten.

Unter dem Applaus des Gemeinderats für die sehr gute Diskussion und informative Veranstaltung verabschiedete Bürgermeister Thomas Haas die beiden Referenten und gab der Hoffnung Ausdruck, dass alle Verantwortlichen ihren Blick für die Einmaligkeit der Schiltacher Altstadt wieder etwas geschärft haben. Schnell werde man „betriebsblind“ und häufig müsse man erst von auswärtigen Besuchern wieder daran erinnert werden, über welches unschätzbare Kleinod man hier verfüge.

4. Anfragen und Verschiedenes

Bei diesem Tagesordnungspunkt wurden verschiedene Bekanntgaben vorgenommen und Anfragen aus den Reihen des Gemeinderates beantwortet.

 

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